Immer wieder setzen Website-Verantwortliche auf Accessibility Overlays. Das Ziel ist, die eigene Website einfach, kostengünstig und schnell barrierefrei zu gestalten. Die Versprechen der Overlay-Anbieter sind dabei verlockend: Gesetzeskonformität und Barrierefreiheit auf Knopfdruck. Das klingt zu schön, um wahr zu sein? Schauen wir uns die Accessibility Overlays einmal genauer an. Los geht’s!
Accessibility Overlays sind JavaScript-Tools, die eine Website an der Oberfläche durch die Einbindung von Quellcode visuell und funktional anpassen. Zu den gängigen Funktionen gehören Kontraste, Textvergrößerungen, Zoom, vereinfachte Schriftbilder oder Farbwechsel. Dazu kommen immer häufiger auch automatische Bildbeschreibungen (Alt-Texte) oder Übersetzungen in Leichte Sprache.
Bei meiner Recherche bin ich auf unglaublich viele Accessibility-Overlay-Anbieter gestoßen. Die neuen KI-Tools machen es wohl möglich. Ich konzentriere mich mit der folgenden Liste auf die subjektiv bekanntesten Tools:
Accessibility Overlays verändern nicht den Quellcode Deiner Website, sie ergänzen ihn. Grundlegende Barrieren wie fehlende Alternativtexte, unzugängliche Formulare oder Tastaturkonflikte bleiben bestehen. Damit erfüllen Websites trotz Accessibility Overlays nicht die Anforderungen der WCAG 2.1 oder 2.2 in der zweiten WCAG-Konformitätsstufe AA.
Deshalb reichen Accessibility Overlays nicht aus, um Barrierefreiheit-Gesetze wie das am 28. Juni 2025 in Kraft tretende Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) zu erfüllen. Dieses Gesetz gilt zwar nur für die Privatwirtschaft. Aber auch öffentliche Stellen müssen Barrierefreiheit bereits im Quellcode umsetzen.
Damit aber leider noch nicht genug. Denn Accessibility Overlays können Assistenztechnologien wie Screenreader beeinträchtigen oder deren Funktionalität verschlechtern. So berichten berichten von eingeschränkter Bedienbarkeit oder Verwirrung durch überlagerte Funktionen. Laut einer Umfrage von WebAIM (zur Studie) empfinden nur 2,4 % der Fachleute und Nutzenden Accessibility Overlays als sehr effektiv. 67 % der Fachleute und 72 % der Nutzenden mit Behinderungen bewerten sie als unwirksam oder schädlich.
Einige Accessibility Overlays fragen in den Einstellungen nach sensiblen Informationen wie Sehbehinderungen oder verwenden Techniken, um eingesetzte Hilfsmittel zu erkennen. Diese Daten könnten an die Anbieter übermittelt werden, ohne dass User oder Website-Betreibende dem aktiv zustimmen. Das berichten beispielsweise Access for all aus der Schweiz und das Overlay Fact Sheet.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die vermeintlich einfache und günstige Lösung Accessibility Overlay gar nicht so kostengünstig ist. Vor allem für große Websites kann es schnell teuer werden und in die hunderte Euro jährlich gehen. Ein Blick auf die Preisgestaltung eines der beliebtesten Accessibility Overlays, dem Tool von UserWay zeigt, mit welchen Kosten Du rechnen musst.

Meiner Meinung nach ist das viel zu viel Geld für eine Lösung, die im Zweifel mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht das Ziel einer barrierefreien Website erreicht. Das sehe nicht nur ich so. Auch alle Accessibility-Fachpersonen, alle Behindertenverbände und Fachorganisationen lehnen den Einsatz von Accessibility Overlays ab.
Du könntest einwenden, dass meine und die Einschätzung von anderen Barrierefreiheit-Testenden vorhersehbar war. Immerhin handelt es sich bei einem Accessibility Overlay um Konkurrenz auf dem Markt für Barrierefreiheit-Tests von Websites. Aber schau Dir an, was die wirklich relevanten Gruppen dazu sagen.
Neben den Interessenvertretungen wie dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (zur Einschätzung des Verbands) ist meiner Meinung nach vor allem die Meinung der Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit und Informationstechnik relevant. Diese hat sich erst im März 2025 erneut kritisch und ablehnend über Accessibility Overlays geäußert (zur Einschätzung der Überwachungsstelle), auch in Form eines Webinars (zum Webinar auf Vimeo).
Barrierefreiheit sollte also nicht nachträglich übergestülpt werden, sondern strukturell im Design- und Entwicklungsprozess verankert sein. Das Stichwort für Dich und Deine Website sollte lauten: Accessibility by Design.
Lass Dir also bitte von Fachleuten helfen, nicht von einem Ein-Klick-Tool. Accessibility Overlays können auch im Jahr 2025 nur auf strukturell bereits barrierefreien Websites eine sinnvolle Ergänzung sein. Auf allen anderen Websites sind Accessibility Overlays keine nachhaltige Lösung. Ein wenig erinnert mich das ganze Thema an die Disability Dongles. Gut gemeint bleibt weiterhin nicht auch zwingend gut gemacht.
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